Über Uns

SoLeWi in Wilhelmshaven

Gemeinschaftliches Wohnen von Jung und Alt in Wilhelmshaven

Bereits im Herbst 2018 traf sich die Initiativgruppe des Wilhelmshavener Wohnprojekts, um der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens ein Gesicht zu geben und die für uns wichtigen Grundwerte festzulegen .

Gern können Sie jederzeit Kontakt mit uns aufnehmen.

Informationen und Kontakte:

Rabea Kruse (Vorsitzende)
e-mail: rabea.kruse@solewi.de

Ulf Berner (Vorsitzender)
e-mail: ulf.berner@solewi.de

Georg Berner-Waindok ( Schatzmeister)
e-mail: gebewa@solewi.de

                                                                                                                                                                                                                                     Stand Februar 2019

 

Was sind die Ziele des gemeinschaftlichen Wohnens?

Die sozialen Bedingungen des Zusammenlebens haben sich geändert: Traditionelle Familien- und Lebensformen sind individuellen Lebensentwürfen gewichen. Das bringt persönliche Freiheit mit sich, aber auch Nachteile.

Viele Menschen vereinsamen, nicht nur im Alter; Familien oder Alleinerziehende fühlen sich von der Gesellschaft im Stich gelassen, junge Paare befürchten, dass sie Beruf und Kinder nicht vereinbaren können; für Kinder gibt es im nahen Umfeld weniger andere Kinder und weniger fürsorgliche Erwachsene.

Gemeinschaftliche Wohnprojekte reagieren auf diese veränderten gesellschaftlichen Bedingungen.

Die Menschen gestalten dort frei ihr privates Leben in ihrer eigenen Wohnung, sehen sich aber auch als Teil der Gemeinschaft aller Mitwohnenden. Menschen mit unterschiedlichen Lebensweisen, Erfahrungen und Einstellungen nehmen sich bewusst im Alltag wahr, bleiben im Gespräch, unterstützen sich gegenseitig und bringen ihre Fähigkeiten in die Gemeinschaft ein, ohne dauernd im „Einsatz“ sein zu müssen. Unter diesen Voraussetzungen werden Kinder sich entfalten, Eltern bekommen Anerkennung und Hilfe, ältere Menschen können vielleicht länger in ihrer eigenen Wohnung leben. Und möglicherweise entwickelt sich ein kulturelles Leben in der Gemeinschaft, was von außen Impulse aufnimmt und nach außen wirkt.

Ökologisches Bauen und Wohnen sorgt nicht nur für geringere Energiekosten, sondern ist auch Vorbild für notwendige gesellschaftliche Veränderungen.

So kann ein solches Wohnprojekt ein Modell für neue Lebensformen werden. Wie das konkret bei SoLeWi e.V. aussieht, wird im Folgenden beschrieben.

Gemeinschaftliches Wohnen und Leben von Jung und Alt in Wilhelmshaven

Konzeption von SoLeWi e.V.

Im Projekt SoLeWi leben Menschen in verschiedenen Wohneinheiten: als Singles, als Paare, als Familien mit Kindern, als Wohngemeinschaft …

Sie gestalten ihr Zusammenleben gemeinsam. Alle Mitbewohnenden haben die gleichen Rechte und Pflichten. Sie bilden gegebenenfalls kleine Arbeits- und Interessengruppen, um das Zusammenleben zu gestalten und den Alltag im Haus zu organisieren. Die Größe des Projektes gewährleistet, dass Einzelne sich zeitweise zurückziehen können.

Die Bereitschaft, sich gegenseitig bei den kleinen Dingen des Alltags zu unterstützen, wird vorausgesetzt, zum Beispiel durch kleinere Einkäufe, durch Babysitting, durch Hilfe bei vorübergehender Krankheit. Das Maß, wie weit sich die Einzelnen einbringen, ist selbstbestimmt. Die Lebensqualität muss für alle stimmen.

Wenn Hilfen gebraucht werden, die über die nachbarschaftlichen Möglichkeiten hinausgehen, ist es unser Ziel Verantwortung zu übernehmen und organisieren diese Hilfen, zum Beispiel bei der Betreuung von Klein- oder Schulkindern (Organisation von Fahrdiensten, von Ganztagsbetreuung) oder bei

Pflegebedürftigkeit von alten oder kranken Menschen (Organisation eines Putzdienstes, einer ambulanten hauswirtschaftlichen Hilfe, eines ambulanten Pflegedienstes…).

Wir verfolgen das Ziel, dass Menschen auch bei schwerer Pflegebedürftigkeit in unserer Gemeinschaft bleiben können bis zu ihrem Tod. Wie das verwirklicht werden soll, kann in der Konzeption „Wohngemeinschaft für Studierende / Auszubildende und Pflege – Wohngemeinschaft“ nachgelesen werden (siehe folgende Seite).

Wenn Menschen in der Gemeinschaft sicher sein können, dass sie nicht alleingelassen werden, und wenn sie ihrerseits für andere da sein können, fördert das ihre geistige, körperliche und seelische Gesundheit.

Wir gehen davon aus, dass die Menschen für ein gelingendes Leben die Gemeinschaft brauchen, dass die Gemeinschaft aber so organisiert sein muss, dass die Einzelnen nicht eingeengt werden, sondern sich frei entfalten können.

Damit Gemeinschaft entstehen kann, gestalten wir die Kommunikation aktiv, nicht nur, indem wir Konflikte konstruktiv und gegebenenfalls mit Hilfe von außen bewältigen, sondern auch durch ein kreatives Miteinander:

Wir schaffen die Voraussetzung für Zusammenkünfte und Aktivitäten (Theater, Musik, Vorlesen …), indem wir einen größeren Gemeinschaftsraum mit Küche und zwei kleinere Räume (z.B. für Kinder und Jugendliche) bauen.

Wir bauen bewusst barrierefrei, damit alle sich im gesamten Projekt frei bewegen und an allen Aktivitäten teilnehmen können.

Der Wunsch nach Rückzug muss wie der Wunsch nach Gemeinschaft respektiert werden.

Wenn sich Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensphasen und -entwürfen tolerieren, werden sich alle wohl fühlen können.

Eine Öffnung nach außen soll dafür sorgen, dass die Gemeinschaft nicht eng wird: Wir wollen eine gute Einbindung in die Nachbarschaft, indem wir zum Beispiel Gemeinschaftsräume vermieten oder andere zu unseren Aktivitäten einladen. Wir kooperieren mit Einrichtungen im Stadtteil und in der Stadt. Wir geben unsere Erfahrungen an Menschen weiter, die ähnliche Wohnformen planen.

Wir wollen ökologisch bauen und wohnen.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit soll für die Herrichtung des Gebäudes ebenso gelten wie beim Energieverbrauch.

Durch Schaffung von gemeinsam nutzbaren Räumen, zum Beispiel einem Gästezimmer und den Gemeinschaftsräumen, lässt sich der individuelle Raumbedarf reduzieren.

Wünsche von Einzelnen lassen sich in der Gemeinschaft leichter verwirklichen: zum Beispiel der Einkauf unter ökologischen Gesichtspunkten, ein Car-Sharing, eine Tauschbörse für Kleider oder Bücher. Hier können sich Gruppen nach individuellen Interessen bilden.

Wohngemeinschaften für Studierende /Auszubildende und Pflege – Wohngemeinschaft

1. Wie die Idee, eine Pflege – Wohngemeinschaft einzurichten, verwirklicht werden kann:

Die Menschen, die die Projektgruppe SoLeWi gegründet haben, waren eine gemischte Gruppe von Menschen, die überlegten, wie sie im in der Zukunft leben wollten:

Sie wollten mit möglichst vielen Menschen – Männern und Frauen, Kindern und Erwachsenen – in enger Nachbarschaft leben, aktiv und selbstbestimmt ihr Leben gestalten und möglichst lange ihre Energien auch anderen zur Verfügung stellen. Auch bei zunehmendem Alter wollten sie selbstständig in ihrer eigenen Wohnung leben, ohne von anderen abhängig zu sein. Sie wollten die Gewissheit, auch bei Pflegebedürftigkeit im gewohnten Wohnumfeld bleiben zu können.

So wurde in die Konzeption von SoLeWi folgender Satz aufgenommen:

„Wir verfolgen das Ziel, dass Menschen auch bei schwerer Pflegebedürftigkeit in unserer Gemeinschaft bleiben können bis zu ihrem Tod.“

Es entstand die Idee, in das Projekt – später, wenn Bedarf dafür entstehen sollte – eine so genannte „Pflege – Wohngruppe“ zu integrieren, in die die Bewohnenden im Falle schwerer Pflegebedürftigkeit wechseln können.

Wenn eine solche Pflege – Wohngruppe zu einem jetzt noch nicht bestimmbaren Zeitpunkt gegründet werden soll, muss ein möglicher Wohnraum rechtzeitig eingeplant werden. Alternativ könnte aber auch eine Wohnung für Pflegekräfte eingeplant werden.

2. Wohngemeinschaften für Studierende/Auszubildende

Die Bereitstellung dieser Wohnungen für junge Menschen ist dabei nicht nur eine nützliche Zwischenlösung, sondern entspricht der Idee des gemein-schaftlichen Wohnens von Jung und Alt:

Ohne diese Wohngemeinschaften für Studierende würden gerade junge Leute fehlen: Junge Leute leben nicht mehr in ihren Familien, würden sich aber wahrscheinlich auch nicht in Einzelwohnungen auf Dauer niederlassen.

Aber auch junge Leute gehören zum Projekt „Jung und Alt“. Dazu kommt, dass in Wilhelmshaven gerade Wohnraum für junge Leute gesucht wird.

Das Haus für das Projekt SoLeWi e.V. wird insgesamt barrierefrei gebaut. Deshalb finden in den Wohngemeinschaften auch körperbehinderte Studierende geeigneten Wohnraum, was in Wilhelmshaven sonst ausgesprochen schwierig ist.

3. Pflege – Wohngemeinschaft

Die Pflege – Wohngemeinschaft ist gedacht für die Mitbewohnenden des Hauses, die nicht mehr in ihrer eigenen Wohnung (auch nicht mit Hilfe ambulanter Pflegedienste) betreut werden können, damit sie möglichst bis zu ihrem Tod in ihrem vertrauten Wohnumfeld leben können.

Menschen „von außen“ können dazukommen: zunächst Angehörige der Bewohner/innen, dann aber auch Menschen aus der Nachbarschaft , die schon vorher einen Bezug zum Projekt bzw. Kontakte zu den Bewohnenden hatten.

Wie die Erfahrungen aus anderen Städten mit bereits bestehenden Pflege – Wohngruppen zeigen, funktioniert eine solche Wohngemeinschaft gut, wenn Professionelle und Bürger*innen gemeinsam für die notwendige Betreuung und Pflege sorgen. Ein „Team“ könnte bestehen aus Angehörigen, unterstützenden Menschen aus dem Umfeld und den professionellen Betreuenden von ambulanten Pflegediensten. Auch die Bewohnenden der Wohngemeinschaft sind in dieses System einbezogen, indem sie ihre unterschiedlichen Fähigkeiten

einbringen und dadurch erfahrungsgemäß mehr Freude am Leben haben.

Die rechtlichen und finanziellen Bedingungen für Pflege – Wohngemeinschaften sind inzwischen weitgehend geklärt. So sieht das Gesetz zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung (1. Juli 2008) die Förderung von Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige vor.

Auch dürfen die Angehörigen nicht vergessen werden, denn auch diese, bedürfen der Hilfe und Unterstützung.

4. Ausblick

Wenn es dazu kommt, dass eine Pflege – Wohngemeinschaft eingerichtet wird, sollten Wohngemeinschaften für Studierende weiter bestehen können. Es ist z.B. denkbar, dass die Wohnungen der Menschen, die in die Pflege-Wohngemeinschaft wechseln, dann für Studierende– Wohngemeinschaften zur Verfügung stehen.

Wenn junge und alte – auch pflegebedürftige – Menschen in einer Wohnanlage wohnen und leben, werden sie sich gegenseitig akzeptieren und verstehen lernen.

Darüber hinaus wirkt ein solches Projekt auch in den Stadtteil hinein und zeigt, wie Menschen den veränderten sozialen und demografischen Bedingungen begegnen können.